Folie 1: Eisen, Stahl und Aluminium am Auto
Folie 1 zeigt das Vorkommen von Eisen und Aluminium in der Natur sowie die Verbreitung und den Einsatz der Metalle als Werkstoffe im Automobilbau.Abbildungen oben und links unten:
Schon in der siebten Klasse bei der Beschreibung der Stoffeigenschaften können diese Beispiele aus
der Alltagswelt eingesetzt werden.
Die Abbildung oben links zeigt, in welchen Anteilen verschiedene Werkstoffe im PKW
eingebaut werden. Vergleicht man die Gewichtsanteile von Eisen und Aluminium
im Auto, fällt zuerst der sehr viel höhere Eisenanteil auf. Bei einem
Gesamtgewicht eines Mittelklasse-PKW von etwa 1,5 t und einem Aluminiumanteil
von 140–150 kg für 2008 macht der Aluminiumanteil annähernd 10 % aus. Bezogen auf das Gewicht enthält ein Auto etwa sechsmal so viel Eisen wie Aluminium, bezogen auf das Volumen nur
etwa doppelt so viel. Hier lassen sich die Stoffeigenschaft der Dichte anwenden
und dabei erste Überlegungen anstellen, welche Bedeutung das Gesamtgewicht und
damit die Materialauswahl für die PKW-Produktion hat. Ein Grund, warum der
Anteil von Aluminium stetig steigt.
Eisen und Aluminium finden heutzutage in fast allen Bereichen unseres täglichen
Lebens Verwendung. Indem die Schüler sich darüber Gedanken machen, ergibt sich
ganz selbstverständlich die Frage nach der Herkunft dieser Stoffe.
Abbildungen rechts unten:
Aus diesen beiden Grafiken kann man entnehmen, in welcher Menge Eisen und Aluminium jeweils in der
Erdkruste vorkommt. Dabei „verstecken“ sich die Reinstoffe in Gesteinen oder
Erzen, also Verbindungen, und sind vermengt mit anderen Bestandteilen der
Erdoberfläche. Wenn die unterschiedliche Reaktivität der Metalle bereits
besprochen wurde, können die Schüler schon aus dem unedlen Charakter der
Metalle schließen, dass diese nur in gebundener Form und nicht wie die
Edelmetalle gediegen in der Natur vorkommen können.
Die metallhaltigen Verbindungen müssen also zuerst mit physikalischen Methoden von
den anderen Gemengebestandteilen getrennt und anschließend die Metalle auf
chemischem Wege aus der Verbindung rein-gewonnen werden.
Der Name „Magnetit“ für eines der Eisenerze weist auf die magnetischen
Eigenschaften hin und führt so zu Überlegungen, mit welchen Trennverfahren man
die Metallverbindungen von den übrigen Beimengungen trennen kann, was
natürlich aus Gründen der Kostenersparnis direkt vor Ort geschieht. Hier wird
nur an allgemeine Verfahren gedacht: Sieben, Ausschütteln (hohe Dichte von
Eisenverbindungen) etc.
Wichtigste Eisenvorkommen
Magnetit (Magneteisenstein) ist das schwarze, stark
magnetische Eisen(II, III)-oxid (Fe3O4) mit einem
zweiwertigen und zwei dreiwertigen Eisenionen auf vier Sauerstoffionen im
Gitter. Seine Dichte beträgt 5,2 g/ cm3.
Hämatit (Roteisenstein, Bluteisenstein) ist das
grauschwarze bis rotbraune, in reiner Form unmagnetische Fe2O3.
Das Schleifwasser ist immer blutrot und erklärt den Namen des Erzes.
Wichtigste Aluminiumvorkommen
Bauxit besteht zu 35–65 % aus Aluminiumoxid (Al2O3)
sowie Sand und Eisenoxid. Es ist der Ausgangsstoff für die Aluminiumindustrie.
Dabei enthält das Aluminiumoxid stets Wasser und bildet im Mengenverhältnis
unterschiedlich zusammengesetzte Kristalle, die Sauerstoffatome und OH-Gruppen
enthalten: Al2O3 ·
x H2O, Al(OH)3, AlO(OH). Al(OH)3 kommt in der Natur
vor als Gibbsit [γ-Al(OH)3] und als Bayerit [β-Al(OH)3].
AlO(OH) kommt in der Natur vor als Diaspor [α-AlO(OH)] und als Böhmit
[γ-AlO(OH)].
Feldspat, Glimmer und Kaolin (Porzellanerde, reiner
Ton) sind Alumosilikate. Korund ist natürliches Al2O3,
als Rubin bekannt, wenn es durch Chromionen rot gefärbt ist, als Saphir durch
Eisen(II, III)-Ionen und durch Titan(IV)-Ionen blau gefärbt.
Eisenerz wird mit physikalischen Methoden von Gesteinsbeimengungen getrennt. Bauxit wird
im BAYER-Prozess vorbereitet. Dabei wird das Bauxit unter Druck und Hitze mit
Natronlauge zu Aluminiumhydroxid umgesetzt, das durch Glühen zu Aluminiumoxid
gebrannt wird. Pro Tonne gebildetem Aluminiumoxid fallen dabei etwa 700 kg
Rotschlamm an. Dieser hat seine Farbe vom Eisen(III)-oxid und enthält außerdem
Titanverbindungen, Reste ungelöster Aluminiumverbindugen sowie fast 50 %
Wasser. Reste von Natronlauge werden zurückgewonnen und erneut in den
BAYER-Prozess eingespeist, die Erzrückstände können deponiert werden.
Folie 2: Eisen, Aluminium: Trennung, Verarbeitung, Korrosionsschutz
Folie 2 zeigt die chemische Gewinnung und Aufbereitung sowie einige technische Bearbeitungsverfahren der Metalle.Abbildung oben links: Beide Metalle müssen also schließlich aus ihren Oxiden gewonnen werden, d. h. sie müssen reduziert werden.
Der Hochofenprozess zur Eisengewinnung
Hochofenanlagen sind riesig. Außer dem bis zu 85 m hohen Hochofen selbst gehören dazu eine
Gruppe von Winderhitzern, die Gichtgasreinigungsanlagen, ein bis zwei
Abstichhallen, Kühlkreislaufsysteme etc. Sie erzeugen pro Tag je nach Größe
zwischen 6.000 und 13.000 t Roheisen aus 8.600 bis 18.600 t Eisenerz.
Hochöfen sind über etwa 10 Jahre Tag und Nacht in Betrieb, ein Abschalten und Wiederanfahren
ist nicht möglich. Der Hochofen wird aber nach dieser Zeit nicht komplett
ausgemustert, sondern entsprechend der aktuellen Technik gründlich überarbeitet
und teilweise erneuert.
Der Hochofen wird von oben abwechselnd mit Koks und einem Gemisch („Möller“) aus
Eisenerz in Form von Pellets und bestimmten Zuschlägen beschickt. Die Zuschläge
(Kalk, Feldspat) senken die Schmelztemperatur der verunreinigenden
Gesteinsbeimengungen im Erz.
Die chemischen Vorgänge beschreibt man am besten von unten nach oben. In dieser
Richtung führt auf etwa 800 °C erhitzte Luft („Heißwind“) der untersten
Koksschicht Sauerstoff und Energie zu. Der Kohlenstoff oxidiert zu Kohlenstoffdioxid:
Diese exotherme Reaktion erzeugt Temperaturen bis zu 2000 °C. Die darüber liegende Koksschicht reduziert bei dieser Temperatur das Kohlenstoffdioxid zu Kohlenstoffmonoxid:
Kohlenstoffmonoxid ist ein starkes Reduktionsmittel, das das darüber liegende Eisenerz (Eisenoxid) zu Eisen reduziert:
Das flüssige Roheisen sickert in den untersten Teil des Hochofens und wird dort etwa alle 6 Stunden abgestochen, d. h. über Sandrinnen in Spezialbehälter und von dort zu den Stahlwerken geleitet. Die ebenfalls flüssige Schlacke schwimmt wegen ihrer geringeren Dichte auf dem Eisen und wird separat abgezogen.
Nach dem Durchströmen der verschiedenen Reaktionszonen verlässt die Heißluft nun als Gichtgas den Ofen. Ihre Zusammensetzung hat sich durch die beschriebenen und einige zusätzliche Reaktionen erheblich verändert.
Neben Stickstoff und Kohlenstoffdioxid enthält das Gichtgas etwa 30 % brennbare Gase, Kohlenstoffmonoxid, Wasserstoff und Methan. Es wird durch einen Staubabscheider geleitet und unter Luftzufuhr verbrannt, die frei werdende Wärmeenergie wird zum Erhitzen der Heißluft verwendet (Kreislauf).
Wichtig ist v. a. die Unterscheidung zwischen den Verfahren: Eisenoxid wird durch Kohlenstoff (bzw. Kohlenstoffmonoxid) reduziert, Aluminiumoxid durch Schmelzflusselektrolyse.
Das Prinzip der Reduktion eines Metalloxides mit dem Nichtmetall Kohlenstoff lässt sich im Schulversuch nur mit Kupferoxid statt Eisenoxid durchführen, weil die zur Reduktion des Eisenoxids nötige Energie zu hoch ist (s. Kopiervorlage 2, Versuch 1).
Man kann in Analogie zu diesem Versuch die Reduktion des Eisenoxids vereinfacht beschreiben:
Abbildung oben rechts:
Bei der Schmelzflusselektrolyse von Aluminiumoxid ist die Graphitwanne des Elektrolyseofens als Kathode geschaltet, so dass sich hier das flüssige Aluminium sammelt, das von Zeit zu Zeit abgezogen wird.
Die mit 2045 °C sehr hohe Schmelztemperatur des Aluminiumoxids wird durch Zugabe
von Kryolith (Na3AlF6) auf 950 °C erniedrigt. Die in die
Schmelze tauchenden anodischen Graphitblöcke reagieren mit dem hier
entstehenden Sauerstoff zu Kohlenstoffmonoxid und -dioxid, werden also
verbraucht. Aus 2 kg Aluminiumoxid (für dessen Gewinnung 4 kg Bauxit nötig
sind) gewinnt man etwa 1 kg Primäraluminium, außerdem werden 0,5 kg Anoden-Graphit
verbraucht. Der Prozess ist sehr energieaufwendig und deshalb teuer.
Voraussetzung für das chemische Verständnis der Prozesse ist die Ionenbindung. Die Reduktion
von Eisenoxid im Hochofen lässt sich mit dem eingeengten Begriff der Reduktion
als Sauerstoffabgabe erklären, im Vergleich mit der Schmelzelektrolyse aber
erweitern auf die Beschreibung als Elektronenaufnahme.
Abbildungen Mitte rechts und links:
Die Härte von Eisen und
Aluminium (wenn man sie für die Reinstoffe überhaupt findet, s. Kopiervorlage 1, Aufgabe 1) wird als ziemlich gering angegeben. Hieraus ergibt sich die Frage, wie aus den
eigentlich ungeeigneten Metallen so leistungsfähige Werkstoffe werden.
Die Stoffeigenschaften der Metalle werden durch Legierungsbestandteile erheblich beeinflusst.
Das Roheisen aus dem Hochofen enthält noch Mangan, Phosphor, Silizium und
Schwefelbeimengungen sowie 3–4 % Kohlenstoff. Es kann nur als Gusseisen
verwendet werden, indem es geschmolzen und in Formen gegossen wird. Bei der
Stahlherstellung werden die Beimengungen entfernt, insbesondere Kohlenstoff
durch Oxidation (Frischen). Die Verfahren werden im Kapitel
„Altfahrzeug-Recycling“ beschrieben.
Die unterschiedlichen Eigenschaften des Stahls
werden durch Beimengung verschiedener Legierungsbestandteile erzielt. Stahl
enthält definitionsgemäß weniger als 1,7
% Kohlenstoff.
Im Wesentlichen beeinflussen bestimmte Metalle wie Chrom, Nickel, Wolfram,
Molybdän, Vanadium und Mangan das Verhalten des Stahls. Nickelzusatz erhöht z.
B. die Zähigkeit von Stahl, Chrom macht ihn härter. Der genaue
Kohlenstoffgehalt spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Aus Gusseisen wurden im Autobau klassischerweise Motorblöcke gegossen, wenngleich
auch hier heute Leichtmetalle auf dem Vormarsch sind. Wegen der hohen
Vibrations- und Schalldämpfung ist Gusseisen bei Dieselmotoren, besonders im
LKW-Bereich, nicht so leicht zu ersetzen.
Für die einzelnen Bauteile der Karosserie verwendet man heute verschiedene
Stahlsorten (s. Folie 1, Abb. links unten). Durch Kombination der verschiedenen Stahlsorten kann eine Autokarosserie bei geringst möglichem Gewicht optimal den mechanischen und chemischen Belastungen standhalten. So muss z. B. bei einem Zusammenstoß das Material einerseits
dehnbar sein, um einen möglichst großen Anteil der Aufprallenergie in
Verformung umwandeln zu können, andererseits muss es fest genug sein, um die
Fahrgastzelle zu stabilisieren. Zunehmend kommen hoch- und höchstfeste Stähle
zum Einsatz, die hohe Festigkeit mit relativ guten Umformeigenschaften
verbinden. So können einzelne Bauteile ohne Einbußen bei der Sicherheit dünner,
also leichter (Kraftstoffeinsparung) gebaut werden.
Aluminium wird überwiegend mit Eisen, Kupfer, Magnesium,
Mangan, Zink oder Silizium legiert.
Kupfer erhöht die Festigkeit, verringert aber die Korrosionsbeständigkeit. Magnesium
und Mangan erhöhen die Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Nickel erhöht
die Festigkeit bei höheren Temperaturen. Silizium erniedrigt den Schmelzpunkt
(bessere Gießbarkeit), beeinträchtigt aber das Umformen.
Abbildungen links unten: Rostlöcher, wie man sie an sehr alten Autos findet, kommen bei modernen PKW kaum noch vor, obwohl Eisen erfahrungsgemäß rostet. Erst recht erstaunt es, dass das noch erheblich unedlere Aluminium so schön glänzend aussieht, wie bei der in Folie 1 abgebildeten Felge (oder bei der Haushaltsfolie).
Abbildungen unten links und rechts: Stahl ist unverändert das
preiswerteste Material zur Karosserieherstellung, hat aber den großen
Nachteil, dass es rosten kann. Darum spielen Korrosionsschutzmaßnahmen im
Karosseriebau eine wichtige Rolle. Durch weitgehenden Luft- und
Feuchtigkeitsabschluss der Eisenteile kann man die Korrosion deutlich
vermindern. Dazu dient eine dichte Zinkschicht ebenso wie die darüber
aufgebrachte Lackierung.
Für die Verzinkung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Karosserien
durch Feuerverzinkung vollständig
verzinkt. Dabei werden beispielsweise ganze PKW-Karosserien oder
Anhängerfahrgestelle von LKWs in ein Bad geschmolzenen Zinks getaucht und
dadurch rundum mit metallischem Zink überzogen (s. Abb. unten links). Oft werden aber nur einzelne, besonders beanspruchte Fahrzeugkomponenten zur Erzeugung besonders haltbarer Überzüge am
Stück feuerverzinkt.
Im größerem Stil ist heute inzwischen die kontinuierliche Bandverzinkung (s. Abb. unten
rechts) in der Anwendung, bei der Stahlblech vor der Verarbeitung zu
Karosserieteilen mit einer Zinkschicht überzogen wird. Bei der Bandverzinkung
wird das Stahlband in einer Schutzatmosphäre aus 5 % Wasserstoff und Stickstoff
kontinuierlich geglüht, um die mechanischen Eigenschaften des Stahl zu
optimieren, danach wird es durch das 460 °C heiße Zinkbad geleitet. Spezielle
Abblasdüsen („Air Knifes“) streifen überschüssiges Zink ab, so dass die Überzugsdicke
weniger als 7 µm beträgt.
Auch die häufig angewendete elektrolytische Verzinkung erfolgt heute überwiegend in Bandverzinkungsanlagen. Diese überziehen das gereinigte Stahlband in einem meist sulfatsauren Elektrolyten mit einer Zinkschicht (s. Kopiervorlage
4, Versuche 3a und 3b), die in der kontinuierlich arbeitenden Anlage anschließend auf
verschiedene Weisen nachbehandelt wird.





